Am Felsenbruch im wilden Tann Liegt tot und öd ein niedrig Haus; Der Efeu steigt das Dach hinan, Waldvöglein fliegen ein und aus. Und drin am blanken Eichentisch Verzaubert schläft ein Mägdelein; Die Wangen blühen ihr rosenfrisch, Auf den Locken wallt ihr der Sonnenschein. Die Bäume rauschen im Waldesdicht, Eintönig fällt der Quelle Schaum; Es lullt sie ein, es läßt sie nicht, Sie sinket tief von Traum zu Traum. Nur wenn im Arm die Zither klingt, Da hell der Wind vorüberzieht, Wenn gar zu laut die Drossel singt, Zuckt manches Mal ihr Augenlid. Dann wirft sie das blonde Köpfchen herum, Daß am Hals das güldene Kettlein klingt; Auf fliegen die Vögel, der Wald ist stumm, Und zurück in den Schlummer das Mägdlein sinkt.
Tannkönig. Märchen von Theodor Storm für drei Singstimmen mit Clavierbegleitung
Song Cycle by Heinrich, Freiherr von Bach (1835 - 1915), as Heinrich Molbe
1. Am Felsenbruch im wilden Tann  [sung text not yet checked]
Text Authorship:
- by Theodor Storm (1817 - 1888), no title, appears in Tannkönig, no. 1
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Sharon Krebs) , "Beside the fault in the rocks in the wild pine forest", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
- FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Dans une sapinière reculée", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
Confirmed with Storms Werke, herausgegeben von Theodor Hertel, ertes Band, Mehers Klassiker-Ausgaben, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien, 1918, page 21.
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
2. Hell reisst der Mond die Wolken auf  [sung text not yet checked]
Hell reißt der Mond die Wolken auf, Daß durch die Tannen bricht der Strahl; Im Grunde wachen die Elfen auf, Die Silberhörnlein rufen durchs Tal. »Zu Tanz, zu Tanz am Felsenhang, Am hellen Bach, im schwarzen Tann! Schön Jungfräulein, was wird dir bang? Wach auf und schlag die Saiten an!« Schön Jungfräulein, die sitzt im Traum; Tannkönig tritt zu ihr herein, Und küßt ihr leis des Mundes Saum Und nimmt vom Hals das Güldkettlein. Da schlägt sie hell die Augen auf - Was hilft ihr Weinen all und Flehn? »Tannkönig, laß mich ziehn nach Haus, Laß mich zu meinen Schwestern gehn.« »In meinem Walde fing ich dich«, Tannkönig spricht, »so bist du mein! Was hattest du die Mess' versäumt? Komm mit, komm mit zum Elfenreihn!« - »Elf! Elf! das kling so wunderlich, Elf! Elf! mir graut vor dem Elfenreihn; Die haben gewiß kein Christentum, Oh, laß mich zu Vater und Mutter mein!« »Und denkst du an Vater und Mutter noch, Sitz' aber hundert Jahr allein!« Die Elfen ziehn zu Tanz, zu Tanz; Er hängt ihr um das Güldkettlein.
Text Authorship:
- by Theodor Storm (1817 - 1888), no title, appears in Tannkönig, no. 2
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La lune claire déchire les nuages", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
Confirmed with Storms Werke, herausgegeben von Theodor Hertel, ertes Band, Mehers Klassiker-Ausgaben, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien, 1918, page 21.
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]